„Sich selbst besser kennen- und lieben lernen“: Lisbeth Jerich über Balance Mindness

Gängige Spa-Programme entspannen zwar den Körper, der Geist kommt meist zu kurz. Dabei wissen wir, dass psychisches Wohlbefinden für eine ganzheitliche Gesundheit wichtig ist. Wir haben mit DDr. Lisbeth Jerich vom Institut für Salutogenese über Berührungsängste, Selbstverantwortung und leichtere Kommunikation gesprochen. Darüber hinaus stellt sie ihr Balance Mindness Programm im Falkensteiner Balance Resort Stegersbach vor.

Lisbeth Jerich über ihre Session "Wellnessfaktor psychische Gesundheit" beim SpaCamp 2016. Foto: Lisbeth Jerich

Lisbeth Jerich über ihre Session „Wellnessfaktor psychische Gesundheit“ beim SpaCamp 2016. Foto: Lisbeth Jerich

Ihr habt in eurer gemeinsamen SpaCamp Session darüber diskutiert, dass die psychische Gesundheitsförderung bei Spa-Angeboten oft zu kurz kommt und seid zu der Erkenntnis gelangt, dass das ein großes Potential für die Zukunft darstellt. Woran liegt es, dass sich viele Spa-Hotels nicht an dieses Thema heranwagen und hier Berührungsängste haben?

Ich denke, dass im deutschsprachigen Raum derzeit noch ein großes Unwissen vorherrscht. Wäre ich im Zuge meiner Recherchen für meine aktuelle Publikation „Wellnessfaktor psychische Gesundheit“ (Springer Verlag, BestMedDiss, 2016) nicht „zufällig“ über den Begriff „Wellness“ gestolpert  (so wird die psychologische Dimension des Wohlbefindens innerhalb des bio-psycho-sozialen Modells von Gesundheit bezeichnet), wäre ich auch niemals auf die Idee gekommen, Angebote zur proaktiven psychischen Gesundheitsförderung im Setting Wellness zu etablieren. Dieser „Zufall“ hat ein Feuer in mir entfacht, das mich seither nicht mehr loslässt. Und ich habe es mir zur Lebensaufgabe gemacht, dieses Feuer in der gesamten deutschsprachigen Wellness-Branche zu entfachen.

Die Session beim SpaCamp war ein erster wichtiger Schritt in diese Richtung und das rege Interesse und positive Feedback von den Session-TeilnehmerInnen hat mich darin bestärkt, diesen Weg weiter zu gehen. Bei der Umsetzung solcher Angebote muss man allerdings höchsten Qualitätsansprüchen genügen, weil der Bereich der psychischen Gesundheitsförderung ein nicht geschützter Bereich ist, in dem sich viele unseriöse Anbieter tummeln. Als Leiterin des Instituts für Salutogenese kooperiere ich ausschließlich mit PsychotherapeutInnen, die in die Liste des Bundesministeriums für Gesundheit eingetragen sind, wobei für eine gute Personalentscheidung neben dem fundierten fachlichen Know-How natürlich immer auch die Persönlichkeit mit entscheidend ist.

Kannst du uns zwei Beispiele von guten Spa-Angeboten nennen, wo beides, also der Körper und der Geist, gleichermaßen verwöhnt werden?

Leider nein. Es wird sehr oft von „Ganzheitlichkeit“ gesprochen, aber nicht gelebt. Ich kenne außer uns im Balance Resort Stegersbach keinen einzigen Anbieter im deutschsprachigen Raum, der fundierte Programme zur Förderung des geistig-seelischen Wohlbefindens anbietet. Die Angebote reichen meist über präventive Inhalte nicht hinaus.

Ziel des „Balance Mindness“ ist die Selbsterkenntnis. Foto: Henrik Schuster

Ziel des „Balance Mindness“ ist die Selbsterkenntnis. Foto: Henrik Schuster

Kannst du uns mehr über dieses Programm erzählen, das du gemeinsam mit der Spa-Managerin Michaela Hösch im Balance Resort Stegersbach etabliert habt?

„Balance Mindness“, so lautet unser Wellnessangebot für den Geist, ist mehr als nur ein Mental-Programm. Es ist mein Lebensprojekt, das Resultat meiner 10-jährigen Recherchen im Bereich der Psychotherapiewissenschaften, gepaart mit all meiner persönlichen Lebenserfahrung und Herzensenergie.

Als ich im Jahr 2005 mit meinen Studien begann, hatte ich selbst sehr viele Fragen an mich und das Leben, auf die ich keine Antworten wusste. Damals wäre ich sehr froh gewesen, hätte es so einen Leitfaden, wie wir ihn derzeit im Balance Resort Stegersbach anbieten, gegeben. Doch den gab es nicht. Deshalb machte ich mich auf die Suche – eine Reise mit vielen Höhen und Tiefen, die mich nicht nur zu mehr Selbsterkenntnis führte, sondern zu einem völlig neuen Lebensgefühl. Dieses Fach- und Erfahrungswissen möchte ich heute an andere Menschen weitergeben. Im Grunde geht es in unseren 7 Mindness-Levels darum, sich selbst besser kennen und lieben zu lernen. Die Basis bildet dabei das Prinzip der Achtsamkeit: Achtsam, oder bewusst, zu sein in Bezug auf:

  • seine Körperwahrnehmungen zur Kultivierung seines Körperbewusstseins (Basis Level)
  • seine fünf Sinne zur Förderung seiner Genussfähigkeit (Level 1)
  • seine Gefühle und Bedürfnisse (Level 2) mit dem Schwerpunktthema
  • Stress als Ausdruck mangelnden Selbstausdrucks (Level 3)
  • seine größten Charakterstärken und Tugenden (Level 4)
  • seine selbstschädigenden Verhaltensmuster (Level 5)
  • seine wichtigsten Beziehungsbedürfnisse und Lebensrollen (Level 6)
  • seine Beziehung zum Größeren Ganzen (Level 7)

Mindness kann als individueller Lernprozess definiert werden. Ziel dieses Lernprozesses ist die Selbsterkenntnis. Mindness ist somit kein Zustand mehr, der von außen erzeugt wird und passiv konsumiert wird (Wellness), sondern ein innerer Prozess, eine Lebenshaltung, eine Mentalität, sich im Sinne seiner eigenen Natur und seiner Potenziale zu entfalten und dies bewusst und in vollen Zügen zu genießen.

Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich mit dem Team rund um Herrn Direktor Zimmel und Frau Mag. Hösch Partner gefunden habe, die mich mit allen nur erdenklichen Mitteln dabei unterstützen, meine Passion verwirklichen zu können.

Du hast mit den Teilnehmern eine spannende These aufgestellt: Das Thema „psychisches Wohlbefinden“ muss in der Kommunikation in eine neue Form der Leichtigkeit gegossen werden. Gibt es hier bereits Beispiele, die gut funktionieren?

Leider werden Themenbereiche rund um unser psychisches Wohlbefinden von vornherein stigmatisiert und sehr häufig mit Kranksein, sprich mit „nicht normal“ bzw. „verrückt sein“, in Verbindung gebracht. Diese Tatsache ist darauf zurückzuführen, dass in unseren Breiten noch sehr stark das pathogenetische Gedankengut verankert ist. (Details dazu in Blogbeitrag 1 und Blogbeitrag 2) Gesundheit ist jedoch nicht nur als ein eindimensionales, biomedizinisches Konstrukt zu verstehen, sondern als ein von Krankheit unabhängiges, bio-psycho-soziales Phänomen.

Gesundheit steht daher für Begeisterungsfähigkeit, Enthusiasmus, für Liebes- und Arbeitsfähigkeit, sowie für Lebens- und Genussfreude und all die schönen Dinge, die unser Leben erst lebenswert machen.

Es ist daher sehr wichtig, das verbal auch so zu vermitteln. Daran arbeiten wir gerade und können uns dabei leider an keinen guten  Beispielen orientieren. Wir übernehmen vielmehr eine wichtige Vorreiterrolle.

"Auf staatlicher Ebene wird es leider verabsäumt, Menschen frühzeitig mit einem profunden Gesundheitswissen auszustatten, das notwendig ist, um sich gesundheitsbewusst verhalten zu können." - Lisbeth Jerich und Michi Hösch bei der SpaCamp Session. Foto: Henrik Schuster

„Auf staatlicher Ebene wird es leider verabsäumt, Menschen frühzeitig mit einem profunden Gesundheitswissen auszustatten, das notwendig ist, um sich gesundheitsbewusst verhalten zu können.“ – Lisbeth Jerich und Michi Hösch bei der SpaCamp Session. Foto: Henrik Schuster

Wo muss man Deiner Meinung ansetzen, um das Thema Selbstverantwortung bei der Gesundheit mehr in die Köpfe der Menschen zu bringen? Und welche Aufgabe muss hier der Staat übernehmen und welche nicht?

Bei den Menschen selbst. Und es bedarf noch einiges an Aufklärungsarbeit, diese neue Art des „Selbst-Bewusst-Seins“ zu propagieren! Jeder einzelne ist dazu aufgefordert, die Verantwortung für sein Wohlbefinden und Lebensglück selbst zu übernehmen. Nur auf diese Art und Weise gelangt man von einem Gefühl der Ohnmacht zu einem Gefühl der Selbstwirksamkeit.

Auf staatlicher Ebene wird es leider verabsäumt, Menschen frühzeitig mit einem profunden Gesundheitswissen auszustatten, das notwendig ist, um sich gesundheitsbewusst verhalten zu können. Hier sehe ich den größten Handlungsbedarf! Die meisten Menschen bleiben solange unaufgeklärt, bis sie aus gesundheitlichen Gründen eine ärztliche Behandlung und/oder eine Psychotherapie in Anspruch nehmen müssen. Der Zeitpunkt der Intervention ist grundsätzlich viel zu spät. Solange Ärzte Menschen auf das Soma reduzieren und dafür bezahlt werden, Krankheiten zu fördern, wird sich daran auf staatlicher Ebene nichts ändern. Umso wichtiger ist es, alternative Wege zu gehen und neue Möglichkeiten zu finden, diese Aufklärungsarbeit zu leisten. Mein gesellschaftspolitisches Anliegen ist es daher, Menschen frühzeitig aufzuklären und sie handlungsfähig zu machen. Die Wellnessbranche ist für diese Art der „Selbst-Erziehung“ meiner Ansicht nach sehr gut geeignet.

Wir in der Wellness-Branche beschäftigen uns tagtäglich damit, was uns gut tut und wissen, wie wichtig Pausen oder Meditation sind. Dennoch fühlen auch wir uns oft im Business-Trubel gefangen. Welchen Tipp kannst du uns geben? Und wie kommst du selbst zur Ruhe?

Komm zu uns ins Balance Resort Stegersbach und erfahre in 7 Mindness Levels, wie Du es schaffen kannst, Dich aus der Gefangenschaft des Business-Trubels zu befreien. 🙂 Ich habe gelernt, meine Wahrheit zu leben und wenn es notwendig ist, diese Wahrheit zu verteidigen und „Nein“ zu sagen. Seither bringt mich nichts mehr aus der Ruhe.

Wir sind schon sehr auf die 7 Mindness Levels gespannt. Foto: Henrik Schuster

Wir sind schon sehr auf die 7 Mindness Levels gespannt. Foto: Henrik Schuster

Wir freuen uns sehr, dass 2017 das SpaCamp im Balance Resort Stegersbach stattfindet. Worauf freust du dich besonders bei deinem Heimspiel? Wirst du wieder ein Thema einreichen?

Ich finde es großartig, dass das SpaCamp 2017 bei uns im Balance Resort Stegersbach stattfinden wird und freue mich sehr darüber! Ganz besonders freue ich mich auf die (Wieder-)Begegnung mit spannenden Menschen in unserem wunderschönen und frisch renovierten Hotel. Da das Interesse an unserer Session sehr groß war und ich mir vorstellen könnte, dieses Thema zu vertiefen bzw. zu erweitern, wird es höchstwahrscheinlich wieder einen Themenvorschlag von mir geben.

Vielen lieben Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg mit dem neuen Konzept!

Autor:in: Wolfgang Falkner
SpaCamp / DI (FH) Wolfgang Falkner

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